Die Tränen der Götter : Bernstein - das Gold Dänemarks Keine andere Gegend Dänemarks ist für seine zahlreichen Bernsteinfunde so bekannt wie die Westküste Jütlands. Etwas Erfahrung und Glück müssen Bernsteinsucher allerdings schon haben, um am Meer diese kostbaren Souvenirs zu entdecken.
Bernstein - der Name bedeutet in der niederdeutschen Sprache seit dem 13. Jahrhundert so viel wie "Brennstein" oder "brennbarer Stein", weil das Harz mit leicht rötlich-bläulicher Flamme verbrennt. Der holländische "Brandsteen", das "Sacrium" der Skythen, das griechische "Electron" - viele Namen wurden dem fossilen Harze schon gegeben.Bestes Bernsteinwetter herrscht von November bis März oder April, wenn ein kräftiger Wind aus Nordwest an der jütländischen Küste weht. Der stürmische Geselle wühlt die tief unter der Wasseroberfläche liegenden Hänge frei, die Bernstein enthalten. Wenn sich dann der Wind dreht, also aus Ost oder Südost pustet, werden eingefleischte Schatzjäger wie Steen Hansen nervös. Denn ungefähr eine Stunde vor dem Höhepunkt der Flut gibt die Nordsee ihre uralten Schätze frei: Die leichten Bernsteinklumpen hüpfen fast an den Strand. Den "Tränen der Götter", wie Bernstein auch durch Dichtermund besungen, wurde im Frühsommer '98 durch das "Ravmuseet" im Herzen von Oksbøl ein eigenes Museum gewidmet. Anhand von zahlreichen und anschaulichen, oft sehr kostbaren Exponaten wird nicht nur der Ursprung des Bernsteins erklärt, sondern auch seine höchst kunstfertige Verarbeitung demonstriert.
Die Geschichte des Bernsteins reicht bis in die frühesten Zeiten zurück. Bereits Menschen der Älteren Steinzeit schätzten ihn als "Edelstein" und trieben mit ihm Tauschhandel. Funde der Jüngeren Steinzeit gibt es zahlreiche in Dänemark und Schweden, Norddeutschland und Polen. Durch Handelsverbindungen findet der Bernstein seine Verbreitung bis nach Italien und Griechenland; von den Küsten des Mittelmeeres brachten ihn die Phönizier auch in den Nahen Osten.
Im Rom der Kaiserzeit trieb man mit Bernstein einen ungeheuren Luxus, ja es gab eine regelrechte Bernsteinmode. Man trank aus Bernstein-Gefäßen, und wegen seines aromatischen Geruchs beim Verbrennen benutzte man ihn als Räucherpulver. Bei den Gladiatoren waren die Netze der Kämpfer mit Bernsteinstücken verziert, und römische Lebedamen färbten ihr Haar bernsteinfarben.Die Deutschordensritter, die Mitte des 13. Jahrhunderts nach Pommern und Westpreußen vorstießen, erkannten schnell den ungewöhnlichen Reichtum der Region mit dem "Samländischen Gold" - der organisierte Bernsteinhandel begründete den Wohlstand und den Reichtum des Ordens.
Das wohl berühmteste Kunstwerk, das "Bernsteinzimmer", das Danziger Bernsteinmeister im Jahre 1713 für König Friedrich I. von Preußen anfertigten, ist zwar auch in Oksbøl nicht zu finden, dennoch lohnt sich der Besuch des "Ravmuseet" für die ganze Familie.Das Bernsteinmuseum liegt im Zentrum von Oksbøl, neben der Touristeninformation. Es ist täglich von 11.00 bis 17.00 Uhr durchgehend geöffnet. Der Eintritt kostet 30 Kronen, Kinder und Jugendliche von 7 bis 15 zahlen 10 dKr, Kinder unter sieben sind frei.